Jochen Kutscheruk 

Geschäftsführer der merlin.zwo InfoDesign GmbH & Co KG

 

Was ist wichtig, damit sich internationale Mitarbeitende in Ihrem Unternehmen gut integrieren können?

 

Grundsätzlich ist natürlich eine entsprechende schulische oder universitäre Ausbildung wichtig. Die muss jetzt nicht vollständig abgeschlossen sein, aber wir können hier nicht bei Null anfangen. Dabei ist es nicht von Bedeutung, ob man ein ausländischer oder deutscher Mitarbeiter ist. Alle Mitarbeiter müssen entsprechende Vorkenntnisse und Neigungen mitbringen, damit sie erfolgreich sein können. In unserem Bereich ist einiges einfacher, weil die meiste IT-Literatur auf Englisch ist. 

Dadurch dass bei uns alle Mitarbeiter Englisch sprechen, war es auch mit unserem syrischen Mitarbeiter so, dass alle erst mal mit ihm auf Englisch gesprochen haben. Wir sind allerdings sehr schnell dazu übergegangen, mit ihm nur noch Deutsch zu sprechen. Es hilft ihm ja nichts, wenn er nur Englisch spricht. Später wenn es an den Kundenkontakt geht, muss er dann schon Deutsch können, weil 70 bis 80 % unserer Kunden es nicht verstehen würden, wenn wir ihnen ein Projekt auf Englisch erläutern würden. Unser syrischer Mitarbeiter ist nun seit anderthalb Jahren da und er versteht schon das meiste. Wir fangen sogar an, ihn jetzt mit Dialekten zu quälen. 

 

 

Was raten Sie Unternehmen, die Fachkräfte mit ausländischen Abschlüssen oder auch Mitarbeitende ohne formale Qualifikationen einstellen möchten?

 

Das lässt sich nicht so einfach beantworten. Wir hatten mal einen Bewerber aus Afghanistan, der von sich aus das Handtuch geworfen hat, weil er gesagt hat, dass unsere Arbeit sehr weit von seinem Ausbildungsstand entfernt ist und er keine Chance sieht. 

Was wichtig ist - und das habe ich immer wieder bei den Geflüchteten gesehen - ist, dass sie unheimlich motiviert sind. Sie hatten vorher ein normales Leben in Syrien oder in Afghanistan und wollen natürlich auch wieder etwas Vernünftiges machen. Sie wollen ihren alten Stand erreichen und dementsprechend sind sie motiviert und hängen sich auch rein. Das ist schon mal die halbe Miete. So eine Motivation findet man bei einigen Deutschen nicht.

 

Empfehlenswert ist ein sechswöchiges bis zweimonatiges Praktikum. Das ist eine gute Zeit in der man sich gegenseitig kennen lernen kann und wo man sieht, wie der Bewerber arbeitet, wie weit sein Know-how ist und wie schnell er neue Sachen versteht. 

Je nachdem aus welchem Land der Bewerber kommt, kann das Grundwissen auch sehr unterschiedlich sein. Syrien ist von der Ausbildung her top. In Afghanistan aber sieht das alles schon ganz anders aus. Deswegen kann ich das auch nicht ganz pauschal beantworten. 

 

 

Welche Kompetenzen oder Ressourcen bringen internationale Mitarbeitende mit, die für das Unternehmen wichtig sein können? 

 

Wir haben uns schon mal überlegt, dass es gar nicht so verkehrt ist, dass wir jemanden haben, der Arabisch spricht und die arabische Mentalität kennt, weil wir auch gelegentlich Anfragen aus dem arabischsprachigen Raum haben. Es hat sich aber leider herausgestellt, dass das nicht klappt, weil unser arabischstämmiger Mitarbeiter in bestimmte Länder nicht einreisen darf. 

 

Nichtsdestotrotz können zum Beispiel syrische Mitarbeiter perspektivisch eine Brücke zum arabischen Raum schlagen. Ich gehe davon aus, dass ein Großteil der Syrer, die jetzt gekommen sind, wieder zurückgehen, sobald sich die Lage in Syrien verbessert hat. Heimat ist Heimat, es ist ganz normal. Dann hat man dort Mitarbeiter die die Deutsche Mentalität kennen und die Sprache beherrschen. Wenn sie von uns einen guten Eindruck haben und ordentlich behandelt worden sind, machen sie beim Wiederaufbau ganz automatisch wieder Geschäfte mit uns und gehen zum Beispiel nicht nach Ungarn, um etwas einzukaufen. 

Ich versuche das einfach positiv zu sehen. Es kostet Deutschland natürlich erst einmal sehr viel Geld, aber ich glaube, dass die Kosten im Vergleich zu dem, was beide danach herausbekommen, ein Klacks sind.

 

 

Das Förderprogramm Integration durch Qualifizierung zielt auf die nachhaltige Verbesserung der Arbeitsmarktintegration von Erwachsenen mit Migrationshintergrund. Inwiefern hat das Angebot des Förderprogramms Sie als Arbeitgeber unterstützt?

 

Wir haben natürlich vermutet, dass bei den syrischen Flüchtlingen kompetente Leute dabei sein müssten. Aber wir wussten nicht, wie wir an sie heran kommen. Man kann ja schlecht irgendwo bei einem Asylbewerberheim vorbeifahren und fragen „Kann hier jemand IT“? Da hat uns das Angebot von Cyberforum sehr geholfen, Kontakt zu Bewerbern herzustellen.

 

Aber was uns gefehlt hat, war so etwas wie ein Koordinator, der Kontakt zu allen Behörden hat. Jede einzelne Behörde für sich war sehr hilfsbereit und konnte immer den richtigen Ansprechpartner nennen. Für uns als Unternehmen ergab sich trotzdem relativ viel Aufwand. Es wäre daher gut, wenn es eine Stelle gäbe, die das alles zentral angehen kann und uns bei den notwendigen Unterlagen unterstützt. Schließlich wollen die meisten Unternehmen ausländische Mitarbeiter ja auch schnell beschäftigen

 


Über das Unternehmen:

 

merlin.zwo ist eine mittelständische Unternehmensgruppe mit zwei Standorten in Karlsruhe und Eningen. merlin.zwo ist Oracle Platinum Partner und steht seit nunmehr 20 Jahren für optimale Oracle-Lösungen und eine kompetente Beratung rund um Datenbanken, Software und IT-gestützte Geschäftsprozesse. Das Unternehmen hat aktuell 25 Mitarbeiter aus 4 Nationen.

 

www.merlin-zwo.de